BAUCHSCHMERZEN

 

Bei Bauchschmerzen handelt es sich mit ca. 15% der Akutvorstellungen um eines der häufigsten Symptome, weshalb die Eltern den Kinderarzt aufsuchen.

Sie können akut oder chronisch auftreten, wobei man unter dem Begriff “chronisch”

wiederkehrende oder anhaltende Bauchschmerzen über einen Zeitraum von mindestens 2 Monaten versteht.

 

Akute Bauchschmerzen bei Säuglingen, auch Dreimonatskoliken genannt treten meist gegen Abend und in Form von exzessivem, teilweise unstillbarem Schreien auf, bei ansonst gesunden und gut ernährten Kindern und betreffen zirka 20% aller Kinder. Die genauen Ursachen kennt man noch nicht, neuesten Studien zufolge besteht möglicherweise eine Verbindung zur Migräne. Generell sollten keine Medikamente verabreicht werden, meist ist eine sanfte Babymassage das wirksamste Mittel um das Kind zu beruhigen.

Bei grösseren Kindern können bei akuten Bauchschmerzen eine Blinddarmentzündung, eine Magen-Darm-Infektion, eine starke Verstopfung, selten auch Nieren oder Gallensteine vorliegen.

 

Chronische oder wiederkehrende Bauchschmerzen treten bei zirka 15 % der Kinder auf, vor allem bei Kindern im Vorschul - und frühen Jugendalter. In den allermeisten Fällen liegt keine organische Erkrankung zugrunde, in bis zu 90 % handelt es sich um sogenannte funktionelle Bauchschmerzen. Die Ursachen dieser “funktionellen” Beschwerden bleiben weiterhin unklar, aber man nimmt an, dass Faktoren wie Darmbewegungsstörungen, Überempfindlichkeit des Verdauungstraktes, Störung der Hirn-Darm Verbindung, psychosoziale Störungen und Aktivierung des Immunsystems eine bedeutende Rolle spielen können.

Kinder mit wiederkehrenden, funktionellen Bauchschmerzen haben typischerweise Schmerzen in der Nabelgegend, sind nachts beschwerdefrei und die Stuhlkonsistenz kann wechseln. Auch wenn keine gefährliche Erkankung dahintersteckt, kann es längerfristig zu einer erheblichen Belastung für die betroffenen Kinder und deren Familien kommen. Therapeutisch sollten Medikamente, wie z.B. krampflösende Substanzen, wenn überhaupt, dann nur kurzfristig eingesetzt werden. Viel eher bringen Beruhigung und Information durch den Kinderarzt, Entspannungstechniken (wie z.B. autogenes Training, Yoga) und Verhaltenstherapie die erwünschte Linderung der Beschwerden.

 

Alarmzeichen für eine organische Ursache sind:

  • Ausserhalb des Nabelbereichs lokalisierte Schmerzen

  • Nächtliche Schmerzen, die das Kind aufwecken

  • Begleitsymptome wie Erbrechen, Sodbrennen, Schluckbeschwerden, Fieber, chronischer Durchfall, Gelenksentzündung

  • Blut im Stuhl

  • Gedeihstörung, verzögerte Pubertät, bei Mädchen Störung der Monatsblutung

In diesen Fällen sollten Sie unbedingt Ihren Kinderarzt aufsuchen, welcher dann nach einer körperlichen Untersuchung auch Laboruntersuchungen und im Bedarfsfall eine weitergehende Diagnostik veranlassen wird.

 

Es kann vorkommen, dass Kinder über Bauchschmerzen klagen, weil sie bestimmte Zucker, meist Milchzucker oder bei kleinen Kindern auch Fruchtzucker, nicht vertragen.

Einen Zusammenhang zwischen einer möglichen Unverträglichkeit und den Beschwerden können Sie ermitteln, indem Sie den betreffenden Zucker (evtl. auch beide) für 1 – 2 Wochen aus dem Speiseplan Ihres Kindes streichen und die Veränderung beobachten.

 

Selbstgemachte dauerhafte Diäten sollten im Kindesalter aufgrund des Risikos einer Mangelernährung unbedingt vermieden werden. Nur bei sicherer Diagnose einer Zuckerunverträglichkeit durch den Kinderarzt sollte mithilfe eines Ernährungstherapeuten eine adäquate Diät für Ihr Kind erstellt werden.

 

Text: Dr. Wolfgang Kleon